Wie steigere ich die Effizienz von Filialbetrieben oder die Angst vor dem Hyänenrudel….

Sie standen da, hörten sich die Worte an und langsam machte sich ein Gefühl der Minderwertigkeit in ihrer Magengegend breit.

Die Filiale glänzte, poliert und auf Hochglanz gebracht, so als würden sie morgen eröffnen, der letzte Staub war aus den Ecken gewischt. Der Geruch von Zitrus und Putzmittel lag in der Luft… Der Laden hatte nur mehr wenig mit dem Laden gemein, wie er vor einer Woche ausgesehen hatte. Alles hatte wieder seinen Platz, alles war zurecht gerückt, alles war in Gleichklang gebracht worden.

Was blieb, war das bittere Gefühl des Versagt-haben’s. Das Gefühl, verloren zu haben. Von der Würde etwas, vom Stolz etwas, vom Selbstbewusstsein etwas, …

Sie ließen Worte über sich ergehen, wie ‚jetzt müsst ihr es schaffen, alle anderen schaffen es ja auch, ihr müsst besser, schneller werden…. ‘ Und wenn das nicht ausreicht???

Heute würden sie das Geschäft perfekt verlassen, aber morgen, wenn sie wieder aufsperren, kommt der Alltag zurück, holt sie ein – zu viel Arbeit für zu wenig Personal…

Was war passiert…?

Eine tolle Show, eine perfekte Inszenierung der Niederlage, zelebriert und mit Genuss bis ins Unerträgliche gesteigert. Wenn man nur Dreck putzt, sieht man nur Dreck und ganz zum Schluss fühlt man sich auch so… von einen Fetzen aufgewischt, ausgewringt und in den Kanal geleert… in den Kanal der Belanglosigkeit, der Mittelmäßigkeit.

Was war passiert… vor Wochen schon war die Filiale langsam aber sicher weggetriftet, wie ein Schiff im Unwetter, wie die Titanik nach der Kollision mit dem Eisbrocken… der Untergang war nur eine Frage der Zeit…

Aber wie kam es dazu, waren sie wirklich zu schlecht?

„Schauen sie sich das Wasser an – es ist Schwarz vor Dreck…“ angetrieben und angespornt hat sich die Horde über sie gestürzt, hat sie zerlegt, abmontiert, jeden noch so kleinen Fehler ausgebreitet, ist darauf rumgetrampelt, bis er schließlich groß, breit und hässlich war…

Die Mission?

Aufmüpfige klein zu bekommen und allen anderen vor Augen zu führen, was es heißt, nicht mithalten zu können. Wie es ist, wenn man als Verlierer an die Wand gestellt wird. Blicke, abfällige Kommentare. Es würden sich alle hüten zu versagen und wenn dies heißt, mehr arbeiten, und wenn es heißt früher zu kommen, später zu gehen, Pausen zu schreiben, wenn gar keine gegangen werden, Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Den Schein wahren, dass alles funktioniert, auch wenn es schon lange nicht mehr funktioniert. Wer Schwäche zeigt, verliert – lieber mit den Hyänen schreien, als ihnen zum Fraß vorgeworfen zu werden.

Das Konzept dahinter?

Jeder fühlt sich für seine Filiale verantwortlich. ‚Führt sie, als wäre es euer eigenes Geschäft‘, trichtert man ihnen ein, wohl wissentlich, dass es kein kleiner Greissler an der Ecke sondern ein Milliardenkonzern ist. Die Kleinheit ist leichter fassbar, als die Größe. Man hat nur ein gewisses Personal, meistens viel zu wenig, keine Möglichkeit auf Krankenstände zu reagieren. Keine Möglichkeit auf Schwangere einzugehen, man ist ja nur ein kleiner Laden mit 4 – 5 Angestellten. Nicht mehr, nicht weniger.

Was passiert, wenn jemand Elternteilzeit nimmt? Was passiert wenn jemand schwanger wird? Nicht der Konzern löst das, nicht die Firma kümmert sich um Probleme. Es wird praktisch und einfach in die Filialen ausgelagert. Wenn jemand sagt, ich kann nur am Vormittag arbeiten, weil ich sonst auf das Kind schauen muss und ich nehme mir mein Recht heraus, dies auch zu tun… was passiert dann? – kann er ja wohl, aber irgendwer muss am Nachmittag arbeiten. ‚Die Filialen machen sich das am besten immer selbst aus, wie sie es haben wollen. Wir mischen uns da nicht ein. ‘ ist ein schöner Satz – heißt aber in so einer Situation, jemand ist der Buhmann, und wer kann es den anderen dann verübeln, wenn diese eine Person früher oder später – wohl früher als später – in der Wahrnehmung der Kollegen zum Feindbild mutiert?

Was passiert, wenn jemand schwanger wird? Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist eine stehende Tätigkeit, die länger als 4 Stunden dauert verboten. Unvorstellbar, in so einem kleinen Betrieb mit nur 4 – 5 Angestellte. Wie soll das den bitte gehen? Kleiner Betrieb? Nur 4 – 5 Angestellte? Die Wahrnehmung hat sich längst verschoben. Bei Krankenständen werden Kollegen/innen aus dem Urlaub retour geholt. Permanente Unterbesetzung als Druckmittel gegen alle. Und die, die mit dem Tempo nicht mehr mitkommen? Schwache werden vernichtet, das Rudel stürzt sich über die eigenen Verletzten und frisst sie mit Haut und Knochen.

So dreht man permanent an den Schrauben und Rädchen. Legt noch eines drauf, erhöht den Druck. Neue Aufgaben werden eingeführt, neue Konzepte werden umgesetzt, neue Formulare, neue Arbeiten… Das Hamsterrad der Wirtschaft muss täglich schneller laufen.

‚Es hilft ja nichts, die Arbeit muss ja trotzdem gemacht werden…‘ ist eine lapidare Antwort, auf eine wieder neu eingeführte Anweisung. Muss sie das? Um jeden Preis und wenn der Preis man selbst ist? Darf man nicht sagen… stopp, es sind Grenzen erreicht? Wir schaffen es jetzt ja auch nur mehr durch Zusatzarbeit? Welche Zusatzarbeit? Ach ja…. Die hat ja nie jemand erwähnt, aus Angst vor den Hyänen….

Andreas M. Fillei

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Ein Gedanke zu „Wie steigere ich die Effizienz von Filialbetrieben oder die Angst vor dem Hyänenrudel….

  1. Andreas M. Fillei Autor

    Eine Erklärung zum Begriff Hyänenrudel:

    Nachdem sich einige meiner KollegenInnen dadurch betroffen gefühlt haben, möchte ich hier klar stellen, das mit dem Hyänenrudel und mit der Kritik Grundsätzliches gemeint ist und nicht auf eine Firma oder auf bestimmte Personen gemünzt ist.
    Was ich mit dem Hyänenrudel gemeint habe, hat sich vor kurzen vortrefflich im Internet abgespielt. Opfer Gabriele Heinisch-Hosek – das Rudel … aber tausende Postings die an Untergriffigkeit, Peinlichkeit, Diffamierung, vulgären Schreibdruchfall gerade nur so gegen den Himmel stinken.
    Das System ist das Gleiche und funktioniert im Kleinen, wie im Großen. Im Kollektiv verliert man sich als Individuum und fühlt sich stark. Alles außerhalb dieses Kollektivs, oder was außerhalb gestellt wird, ist der Feind und gehört bekämpft.
    Wir sind Herdentiere und wir verhalten uns auch so. Wir wollen geliebt werden, wir wollen anerkannt werden. Unsere Leistung, unsere Person, unser Können. Ich getraue mich sogar so weit zu gehen, zu behaupten: Kein Mensch möchte absichtlich „schlecht“ oder „böse“ sein. Aber jeder zimmert sich immer seine eigene Wahrnehmung und seine Sichtweise zurecht, damit sein Verhalten und seine Handlungen in sein Selbstbild passen. Wir sind sozusagen Meister darin uns selbst zu belügen und zu täuschen.
    Und wir richten dieses Selbstbild nach unserer Umgebung aus. Nach dem was in unserer Umgebung, in unserem Umfeld Überzeugung ist. Unser Umfeld, unsere Erziehung, unser Freundeskreis, unser Arbeitsumfeld legen diese Grundwerte fest, nach denen wir uns orientieren und nach denen wir unser Bild festlegen. Umso allergischer reagieren wir auf alles, was außerhalb dieses Bildes und unserer eigenen zurechtgezimmerten Wirklichkeit steht, oder was noch viel schlimmer ist, was zwar uns und unseren Handlungen entspricht, was aber in unser Wirklichkeitsbild nicht passt!
    Auch dafür passt das Bild von der Heinisch-Hosek. Wieso soll ich über etwas diskutieren wollen, was meiner Rolle nicht entspricht. Wenn Frau im Alltag des Essen Kochens, Waschens, Einkaufens, Putzens, des sich nach dem Mann richten zu müssen ihre ganze Energie für den Spagat zwischen Arbeit und dem Rollenbild aufwenden muss, will man nicht daran erinnert werden, das die eigene Wahrnehmung einer gleichberechtigten, aufgeschlossenen Frau nicht mit der eigenen Realität zusammenpasst. Gleichzeitig mag Mann nicht daran erinnert werden, dass sein eigenes Handeln, die Selbstverständlichkeit, des bekochen Lassens und der Untätigkeit in den eigenen vier Wänden – solang es eben nicht um Männerarbeit wie Abfluss reparieren, Lampen montieren usw. geht – nicht ganz mit der eigenen Vorstellung eines liberalen, weltoffenen Mannes einher geht. Eine Erklärung, warum gerade bei diesem Thema die Wogen dermaßen hoch gehen.
    Ob jetzt bewusst oder unbewusst nutzen Firmen genau diesen Punkt aus. Man definiert sich über das, was man leistet, was man kann, was man schafft. Versagen mag niemand und niemand versagt absichtlich. So lassen sich der Druck und die Aufgabenbelastung steigern. Versagen zu hinterfragen, oder gar das System in Frage zu stellen, heißt auch die Sinnhaftigkeit der eigenen Tätigkeit und somit auch die eigene Selbstdarstellung über die man sich eben definiert in Frage zu stellen. Und genau dieses Verhalten, das ich überspitzt als Hyänenrudel bezeichnet habe, versuchte ich auf Grund von Emotionen zu beschreiben.
    Und dieses Hyänenrudel findet man eben nicht nur in Firmen, das beginnt unser gesamtes System zu durchziehen. Umso mehr wir kämpfen müssen, umso härter die Arbeitswelt wird, umso weniger Verständnis bringen wir für Schwächere auf. Die sind doch selbst schuld. Die Flüchtlinge, die Arbeitslosen, die Griechen. Wir beklatschen es, wenn unser Sicherheitsnetz durchgeschnitten wird und wir applaudieren, wenn im Namen des Kampfes gegen Sozialschmarotzern gleich das ganze Sozialsystem abgeschafft wird und merken es nicht, dass wir es sind, die jegliche Sicherheit verlieren. Es sind die Armen und die Mitte der Bevölkerung, die dann plötzlich ohne jegliches Netz da steht und ins Bodenlose fällt, wenn was passiert – aber die werden ja schon selbst schuld daran sein.
    Geleichzeitig wollte ich auch aufzeigen, dass es auch immer wir selbst sind, die dieses System am Laufen halten. Jemand hat zu mir gesagt, das ist halt das System Handel, das werden wir nicht ändern können. Ich möchte fragen wer sonst?
    Die, die irgendwo in der Managerebene Millionen abcashen, werden nichts ändern, solang das Rad läuft, solang wir es vorantreiben. Solang das System funktioniert und wir unseren ärger auf die Schwächeren richten, die wir mitfanzieren, mitschleifen müssen, gibt es keinen Grund dafür, etwas zu ändern. Es liegt immer an uns selbst. Wir müssen nicht die Welt ändern, nicht eine Firma, nicht das Rad neu erfinden. Es beginnt damit, dass wir fragen. Warum hat der keine Arbeit, warum finanzieren wir die Griechen und was passiert gerade im Mittelmeer und was können wir tun, um das zu vermeiden.
    Ich weiß, es ist schwer, nicht mit zu schreien, wenn all schreien, z.B.: Streicht denen das Sozialgeld, dann werden sie schon hackln, ohne die Griechen sind wir im Euro besser dran – unser Geld unseren Leuten(irgendwie schon ein Widerspruch zum davor geforderten), Wirtschaftsflüchtlinge brauchen wir keine – die sollen daheim was arbeiten, sind eh alles nur Drogendealer und Asoziale, die zu uns kommen, als sich wirklich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.
    Und wenn jemand sagt, das geht mich doch nichts an – doch, so wie eine Naturkatastrophe keine Grenzen kennt, hat auch unser Handeln, unser Konsum, unsere Gesellschaft keine Grenzen und vieles ist die Folge aus dem wie wir leben.
    Was kaufen wir ein, was kochen wir, welche Lebensmittel verwenden wir, welches Gewand ziehen wir an. Wenn wir lernen, bewusst mit unsere Umwelt umzugehen, wenn wir lernen, bevor wir über jemanden schimpfen, dessen Lebensgeschichte und dessen Handlungen zu verstehen, verändern wir schon ein Stückchen unserer Umgebung.
    Das funktioniert im Alltag, wie im Betrieb. Zu fragen warum funktioniert eine Abteilung, eine Filiale, ein Produktionsablauf nicht. Unvoreingenommen, ohne im Vornherein Menschen abzustempeln und in Schubladen zu stecken.
    Aufgaben zu hinterfragen ist nicht verboten, Einsparungen zu hinterfragen auch nicht. Begründungen für Handlungen einzufordern und für Mehraufwand auch auf das notwendige Personal zu bestehen, anstelle in der Arbeit zu ersticken auch nicht. Um nichts anderes ist es bei diesem Artikel gegangen. Um keine Personen, um keine Firma – sondern um Emotionen, die auf der einen und auf der anderen Seite entstehen und wie diese empfunden werden, nicht wie sie gemeint sind.

    Andreas M. Fillei

    Antwort

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