Zwischen Angst, Hoffnung und Hass – Flucht 2.0

Lőrincz-Véger Gábor Halt! Nicht Asylanten, Einwanderer! Falsches Wort. Eindringlinge! Bitte zukünftig diesen Ausdruck verwenden!

Sie schreckt in der Nacht auf…

Dunkelheit umfasst sie, um sie herum nur das gleichmäßige Atmen der anderen.

Ihr Herz pocht, schlägt ihr bis zum Hals, ihr Atem steckt, ihr Gaumen ist trocken und ein bitterer Geschmack hat sich in ihrem Mund breit gemacht.

Sie ballt ihre Hände zu Fäusten, krallt sich an dem weißen Leintuch fest, das über die alte, modrige Matratze geworfen war.

Sie hört noch die Schreie in ihren Träumen nachhallen, das Geräusch, als die Kugeln in die Mauerwand  einschlugen, spürt noch die verschwitzte Hand ihrer Tochter, die sich an sie krallt, während das Blut ihr Gewand rot zu färben beginnt und warm und nass an ihr herunter rinnt. Sie fühlt noch die Tränen, an diesem einen Tag, sie hört noch sich selbst, ihre Stimme, während Splitter durch die Räume, die einmal ihre Wohnung war, fliegen…

Jetzt starrt sie mit leeren Augen in die Finsternis… sie hat keine Tränen mehr, die wurden in diesem einen Tag verbraucht. Allein der Schmerz, die Angst bleibt zurück, verfolgt sie immer wieder, lässt sie nicht los, kriecht jede Nacht in ihre Träume, zeigt das Lachen ihrer Tochter, wie von einem großen Filmprojektor in ihren Kopf projiziert, bis dann die Kugeln kommen und ein rotes Meer an Tränen, Blut und Schweiß das Gesicht verschwimmen lässt.

Sie wusste nicht wie lange sie damals mit ihrer Tochter im Arm und mit ihrem Sohn an ihrer Seite in der Ruine ihres Zimmers in der Ecke kauerte. Sie wusste auch nicht mehr wie sie dort weg kam, wusste nicht mehr wo ihre Tochter geblieben war. Sie wusste nur mehr, dass sie irgendwann aufwachte, mit blutigen Füßen, zerrissenen Kleidern unter einem sternenklaren Nachthimmel.

Jetzt, irgendwo in Europa, lag sie da und wartete, wartet mit hundert andere auch. Sie war in Sicherheit, ihr Sohn war in Sicherheit, ihr Mann…. Ihre Tochter…. Sie würde weinen, aber seit diesem einen Tag, waren keine Tränen mehr übrig, bis auf diesen unfassbaren Schmerz in ihrer Brust.

Gerhard Rechberger Und immer schon das neueste und teuerste Smartphone in der Hand! Wer zahlt eigentlich die Telefongebühren und Internetgebühren? Mit Sicherheit nicht die Asylanten

Er starrte auf sein Smartphone, wischte über den Bildschirm.

Es war ein ganz normaler Tag. Die Luft war schwül, die Hitze des Sommers lag über dem fremden Land, mit den fremden Menschen und der fremden Sprache. Er hat sich mit ein paar angefreundet, die aus der gleichen Gegend kamen wie er. Sie hockten, wie er auf ihren Betten und hatten ihre Handys in der Hand. Der eine chattete mit seiner Familie, fragte wie es ihnen geht. Der andere schickte seiner Tochter ein Bild von sich, ein Selfie, das sie gestern gemeinsam gemacht hatten. Der Dritte versuchte seit zwei Tagen bereits Kontakt zu seinen Eltern zu bekommen, vergeblich.

Er starrte auf die Fotos, die er gemacht hat, von der Umgebung, von dem ungewohnten Schnee im Winter, von dem Zimmer, in dem er jetzt wartet, ob er bleiben darf oder nicht. Er stellte sich vor, wenn er fotografierte, dass er das einmal seiner Frau und seinem Sohn wird zeigen können.

Er hatte sie damals gesucht, als er in das zerbombte Haus zurückgekehrt war. Sie war weg, ihr Sohn auch, seine Tochter hatten die Kämpfer leblos am Boden liegen lassen. Er bekommt dieses Bild nicht mehr aus seinem Kopf, dieses Bild von dem toten Körper am Fußboden, den roten Flecken auf den Fließen. Es war in seiner Erinnerung eingebrannt.

Er war noch einige Tage in der Gegend geblieben und hat sie gesucht. Er hatte die Hinrichtungen auf dem Dorfplatz mitbekommen. Er konnte sich noch an seine Gefühle erinnern, als er da in den Schatten einer Hausmauer lehnte und das Schauspiel mitverfolgt hat. Sie hatten einfach willkürlich Menschen heraus gepickt, sie angeklagt und für schuldig empfunden. Jetzt starben sie, vor den Augen der anderen Dorfbewohner. Es war Abscheu, als sie Ihnen die Kehle durchschnitten und Erleichterung seine Frau, sein Sohn, sie waren nicht darunter.

Später war er aufgebrochen, ein Bekannter hat ihn gewarnt, die Kämpfer hätten ein Auge auf ihn geworfen. Außerdem berichtete man von einer neuen Gegenoffensive auf die Stadt.

Jetzt war er hier ein freier Gefangener in einem Käfig aus Gefühlen.

Er starrte ohne jegliche Regung auf die Bilder, vor seinen Augen, die er immer weiter wischte… Bilder einer anderen fremden Welt, in der er gestrandet war.

Sibe Niki Das sind keine Flüchtlinge das sind ausgebildete terr.die anschläge in europa planen

Regen prasselt auf sie herunter. Sie waren eine Gruppe von 8 Männer, 3 Frauen und 4 Kindern, davon eines gerade einmal ein paar Monate alt.

Kälte hatte sich über die Landschaft gelegt, kroch ihnen unter die Haut. Ihre Kleidung war längst bis auf die Knochen durchnässt, pickte kalt und feucht an ihren Körpern, bot ihnen keinerlei Schutz mehr. Die Erinnerung an Wärme, einen trockenen Schlafplatz und etwas zu Essen verblassten und wurden vom Regen weggespült. Ihre Füße waren wundgelaufen.

Dunkle Gestalten in der Halbdämmerung eines weiteren verlorenen Tages, am Rande einer Straße ohne Ziel und mit einer verlorenen Vergangenheit.

Die Frau, die das Kleine hielt, hatte es vor Wochen aus den bereits starren, kalten Armen seiner toten Mutter an sich genommen. Jetzt presste sie es fest an sich, versuchte ihm irgendwas von ihrer restlichen, verbliebenen Körperwärme abzugeben…

Christine Röber na hau ab,wenn es dir nicht gefällt !! so ein dreistes A….

Die Menschen schoben. Stimmen in einer fremden Sprache. Polizisten mit Schlagstöcken und Schilder, die die Menge zurück hielten, sie weg drängten.

Ausgetrockneter Mund und ein leerer Magen. Durst und Hunger. Irgendwann begann wer Lunchpakete in die Menge zu werfen. Hunderte Hände greifen danach, versuchen eines in die Finger zu bekommen. Es sind viel zu viele Menschen und viel zu wenige Lunchpakete, es reicht bei weitem nicht für alle. Abgemagert, erschöpft, die Schwachen werden weggeschoben, irgendwo kippt jemand um, kann nicht mehr, weint nur mehr, sackt in die Knie.

Sie haben gewartet, gewartet, gewartet, werden im Kreis geschickt und niemand weiß wie es weiter geht.

Theodor Mergenthal „Schleichts eich ham“ – Besser kann man’s nicht sagen!

Die Sonne ist noch nicht über den Horizont gekrochen, als er aus dem Schlaf gerissen wird. Sie räumen den Platz, ruft jemand.

Aus der Halbdunkelheit der Nacht torkelt er mitten in das Chaos des anbrechenden Tages. Er packt gerade noch sein Handy, sein ein und alles, seine letzte Verbindung zu denen die er liebt, seine Hoffnung sie irgendwann wieder zu sehen. Er spürt einen Schmerz im Rücken, stolpert, fällt, schlägt hart auf den Boden auf, schürft sich Arme und Beine auf. Stolpert im Liegen weiter, versucht aufzukommen, spürt einen Tritt gegen seine Nieren, noch einen Tritt, fällt wieder. Sein Handy fällt ihm aus der Hand, kracht auf den Boden, schlittert über den Asphalt. Er versucht es zu packen. Greift ins Leere…

Jemand steigt ihm ins Kreuz, es riecht nach Pfefferspray und Tränengas…


Bazi Kahraman die beste lösung wär wohl jeden Kriegsflüchtling der hier schutz sucht und sich euch mehr als 100m nähert direkt zu erschießene

Zuerst hatten sie in Panik gegen die Wand gehämmert, mit beiden Fäusten, bis sie blutig waren, geschrien, bis die Stimme zu versagen begann. Und diese Angst, die einen in der Dunkelheit fest umklammert hält. Einem die letzte Luft abschnürt.

Aber es hat niemand geantwortet. Draußen herrschte einfach nur tiefe Stille.

Die Panik war aufgekommen, als der Wagen stehen blieb, als der Motor verstummte und als niemand kam, die Türen zu öffnen, da kam die Angst und kroch in die Gedanken, umschlang Hals und Brust, schnürte sie zusammen, quetschte die letzte Hoffnung aus ihren erschöpften Körpern.

Nach der Panik kam langsam die Stille… das Klopfen wurde schwächer, das Weinen zum Schluchzen, bis auch das in der Dunkelheit zu erlöschen begann. Die Finsternis blieb… Fingernägel, die an der Metallwand des Kühltransporters entlangkratzen bis das Blut über die Fingerkuppen rann!

Es roch nach Urin, Schweiß und Kot… Das Atmen wurde schwerer, hastiger, panischer bis sich in der Finsternis nur noch Stille ausbreitete….

Zimmermann Marco Alle zurück. Das Boot is voll.

Sie sind zu zweit in der Mitten des Tunnels, pressen sich an die Tunnelwand, bei ihnen schießen Autos vorbei…

Wie viele von diesen Autobahntunnels sie bereits hinter sich haben, wissen sie nicht mehr. Das mulmige Gefühl war inzwischen verflogen, die Angst auch. Die Luft ist abgasdurchtränkt und bei jedem Auto spüren sie den Sog, der sie von der Wand auf die Straße zu spülen droht. Ganz schlimm ist es, wenn die schwere LKW’s vorbeidonnern.

Was sie da mitten auf der Autobahn, auf einem fußbreiten schmalen Randstein, an eine Wand gepresst vorantreibt, ist alleine die Hoffnung, irgendwann, irgendwo anzukommen. Einfach anzukommen, sich hinlegen zu können, zu schlafen…

Selten blicken sie den Autos nach… nur einmal treffen sich ihre Blicke mit einem kleinen Jungen auf der Rückbank, der ihnen nachschaut, mit einem Teddybären in der Hand in einem angenehm temperierten VW Kombi mit deutschem Kennzeichen auf dem Weg vom Urlaub an der Adria zurück nach Hause…

Nach Hause…

Erinnerungen von Lachen seiner Kinder, wenn er nach Hause kam, Erinnerungen an eine Wohnung etwas außerhalb von Homs… Erinnerungen an seine Frau…. Erinnerungen an seine Familie….

Das Auto und der Junge verschwinden schnell aus seinem Blickfeld….

Der Luftzug eines LKW’s streift ihn, Beton unter seinen wundgelaufenen Füßen….

Fatima Koth Bewaffnet Euch, solange es noch geht. Und wenn es nur CO2-Gaspistolen sind (cal 4.5mm BB / Diabolos). Ab 18 frei erwerbbar.

Sie hört ihren Namen…

Sie wagt es nicht sich umzudrehen, wagt es nicht zurückzuschauen… Sie kennt die Stimme. Der Klang war fast aus ihrem Gedächtnis verschwunden. Sie war oft wach gelegen und hatte sich versucht daran zu erinnern, an sein Gesicht, an seine Augen, an seine Stimme…

Sie hielt die Hand ihres Jungen fest, blieb wie eingefroren stehen…

„Mayla!!“

Sie schloss die Augen… sie merkte, dass ihre Hände zu zittern begannen…

„Mayla…“

Sie drehte sich nicht um, schaute nicht zurück, atmete nur tief durch, und merkte wie ihr Blick zu verschwimmen begann…. Spürte wie er hinter ihr stand, konnte seinen Atem fühlen, konnte seine Wärme spüren…

„Mayla….“

Und dann fielen sie und ihr Sohn in seine Arme…

Und sie weinten, weinten Tausende von Tränen…. sie vergrub ihr Gesicht in seinem Gewand, während ihr die Tränen über die Wange liefen, konnte nicht mehr aufhören, klammerte sich an ihn, als wollte sie ihn nie wieder los lassen, flüsterte nur mit erstickter Stimme seinen Namen… immer und immer wieder während sie drei dastanden. Es nicht fassen konnten, sich hier nach Monaten wieder in die Arme schließen zu dürfen…

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Ein Gedanke zu „Zwischen Angst, Hoffnung und Hass – Flucht 2.0

  1. Andreas M. Fillei Autor

    Ich habe mir lange überlegt, ob ich etwas zu dem Thema Flüchtlinge schreiben soll. Immerhin hat schon jeder Prominente und auch jeder, der sich dafür hält, etwas zu diesem Thema gesagt. Genauso wie von vielen in all den social median darüber diskutiert wird (ob der deutschen Sprache und Grammatik mächtig – oder auch nicht). Keine Zeitung, keine Nachrichten – als gäbe es keine anderen wichtigen Themen mehr auf dieser Welt. Eigentlich sollte man viel mehr über die ungerechte Aufteilung von Gütern schreiben (2 % der Weltbevölkerung besitzen 51 % des Vermögens, 10 % besitzen 85 %, die ärmsten 50 % besitzen 1 %). Und irgendwie lande ich auch da wieder bei unserer Zeit, bei Wirtschaftsflüchtlingen und warum es einfach so ist, dass wir keine noch so hohen Mauer um Europa bauen werden können und wir auch nicht in Liegestühle am Strand zuschauen werden können, wie der Rest der Welt im Chaos versinkt. Ich könnte über die Idee Europa schreiben, die Werte, die dieser Idee zugrunde liegen und die die Basis unserer Demokratien sein sollten und nicht das Werbefernsehn und die in Neonfarben flimmernden Reklameschilder und irgendwie lande ich auch da wieder bei dem Thema Solidarität, Flüchtlinge und die Grundrechte, die wir an Nestle und Co für ein besseres Leben verkauft haben.
    Irgendwie ist es nicht mehr eine Frage, ob wir Menschen hereinlassen können oder nicht. Ob das Boot voll ist oder nicht (welches Boot überhaupt und wem sollte es gehören, oder leben wir auf einem anderen Planeten). Wir wurden brutal von unserem bequemen Sofa vor dem flimmernden Fernseher gestoßen und in die reale Welt geworfen, in denen der größte Teil der Menschheit lebt. Plötzlich sind die Flüchtlingsboote nicht nur mehr Bilder in Zeitungen, plötzlich sind verzweifelte Menschen nicht mehr nur Schlagzeilen. Wir können nicht die Welt retten, aber wir können uns retten, unser Gefühl für Solidarität, für Gerechtigkeit. Nein, wir können nicht die Welt retten, aber vielleicht den Gedanken, den Europa ausgemacht hat, die Grundlage der Revolutionen, die dieser Kontinent durchlitten hat. Wir können unsere Freiheit retten und diesen Gedanken der Freiheit der Welt zeigen.
    Daher habe ich mich schließlich und endlich dazu entschlossen, doch etwas über dieses Thema zu schreiben. Es sind Geschichten die genauso nicht wirklich stattgefunden haben, die aber durchaus auf Grundlagen von Erzählungen, selbst Gesehenen und Berichten beruhen. Immer in Kontext mit dafür wirklich und realen Kommentaren, die ich auf diversen Seiten in den letzten Wochen so gefunden habe. Ich weiß nicht, ob der 1.001 Text über dieses Thema mehr bewirken kann, als all die Texte davor – und danach. Aber schreiben ist halt eines der Dinge, die ich kann (wenn auch nicht wirklich professionell und gut) aber immerhin, ich bemühe mich inzwischen auch auf Kleinigkeiten wie Grammatik und Rechtschreibung zu achten 😉 und vielleicht ist es nicht mein Artikel, aber vielleicht sind es in Summe all diese Artikel, die dazu führen, dass wir Aufwachen und alle zusammen mit anpacken. Time to Change…..





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