Smalltalk, ein Begräbnis und der Beginn einer Geschichte….

Vor ein paar Tagen war ich auf einem Begräbnis…

Offiziell, als Vertretung für die Partei. Persönlich hatte ich nicht wirklich eine Bindung zum Verstorbenen. Man hat sich halt einmal gesehen, die Hände geschüttelt, Smalltalk, nicht mehr nicht weniger…

Danach habe ich tief bewegt das Begräbnis verlassen. Keine Parteiansprachen, keine Vereine, die sich profilieren, sondern einfach die Geschichte eines Lebens. Eines bewegten Lebens, das mich ebenfalls bewegt hat. Und mich mit der Frage nach den Menschen und ihren Schicksalen hinter dem Händeschütteln und den Smalltalk zurück ließ.

Wieviel kann man voneinander lernen, wie oft hat man die Möglichkeit wirkliche Gespräche zu führen und kratzt nur an der Oberfläche eines Charakters dahin.

Ich bin noch ein paar Tage zuvor zusammen gesessen, mit dem Verstorbenen, mit seiner Frau. Man hat geplaudert ohne wirklich zu wissen, wer sein Gegenüber überhaupt ist. Ich meine menschlich ist. Was für eine Geschichte er hat, welche Überzeugung er vertritt und warum dies so ist. Ohne nur ansatzweise zu wissen, welche Geschichten sein Lächeln erzählen, seine Falten, sein Blick. Was ihn geprägt hat und zu dem werden hat lassen, was er heute ist, haben wir uns irgendwann verabschiedet und ich bin gegangen. Erst auf seinem Begräbnis ist mir dann erst so richtig bewusst geworden, dass es das letzte Mal ist.

Ich weiß, dass es mir nicht gelingen wird, immer in die Tiefe zu blicken. Dass es noch viele Hände geben wird und viele Smalltalks, viele Oberfläche, an denen man dahingleitet. Aber etwas hat dieses Begräbnis doch in mir verändert. Das Wissen, oder besser, das Bewusst werden, das hinter jeder dieser flüchtigen Begegnung mehr steht, dass dahinter ein Leben steht mit Bekannten, mit Freunden, mit Schicksalen. Eine Vergangenheit, die den Menschen eben bis dorthin geführt hat, wo man ihn jetzt trifft.

Und die Frage, was passiert, wenn man sich beginnt darauf einzulassen. Darauf, dass eben jeder Mensch mehr ist als dieser eine Augenblick und dass es zwar viele ähnliche Geschichten, aber nie die gleiche Geschichte gibt?

Irgendwann hört jede Geschichte auf, endet und beginnt zu verblassen. Vielleicht könnte man sagen in Summe der Geschichte dieser Welt, gib es in Wahrheit keine wirkliche wichtige Lebensgeschichte. Man könnte aber auch sagen, es gibt keine einzige unwichtige Lebensgeschichte! Jeder Mensch hat seine eigene für ihn wichtige Geschichte, die er lebt. Seine eigenen persönlichen Sorgen und seine eigenen Probleme. Es gibt keine unwichtigen Geschichten und keine unwichtigen Schicksale, keine bedeutungslosen Menschen. Es sind schließlich wir, die entscheiden, welche Bedeutung der Mensch, der uns gegenüber steht, in unserem Leben einnimmt, welches Gewicht wir seiner Geschichte geben.

So treffen sich die einzelne Menschen immer wieder, oft sind es ein Händeschütteln, Smalltalk und dann geht man in seinen Leben weiter, aber wenn man es zu lässt, dann geht man vielleicht einmal nicht einfach so weiter, dann lassen wir es zu, dass uns eine dieser Millionen von Geschichten berührt. Denn im Grunde sind wir am Ende unserer Geschichte, die Summe aus unseren Begegnungen….

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