Von der Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen… nächtliche Tour auf dem Mangart

Lange geisterte der Gedanke schon in meinem Kopf herum. Ein Klettersteig in der Nacht, um mit den ersten Sonnenstrahlen den Gipfel zu erreichen. Bilder und Vorstellungen. Langsam formt sich ein Plan, verfestigt sich und aus dem Gedanken wird ein konkretes Vorhaben.

Welcher Klettersteig kommt in Frage? Möchte hoch oben starten, kein langer Weg zum Einstieg. Der Weg soll klar sein, keine Abzweigmöglichkeiten, Stellen die sich in dem Felsen verlieren, die Markierungen müssten gut sichtbar sein und nicht weit auseinander. Der slowenische Klettersteig auf dem Mangart. Perfekt.

Geplant ist eine 2 Tages Tour mit einem Freund, die uns auch über den Klettersteig führen sollte, um ihn am Tag zu begutachten. Zwischen 13. – 14. August wollten wir dann mit Familie und Bekannten oben übernachten. Die Tränen des Laurentius. Ein Sternschnuppenhagel der jedes Jahr um diese Zeit an der Erde vorbeizieht. Perfekt für Fotos und perfekt um den Plan endlich in die Tat umzusetzen. Wenn der Rest der Familie beim Frühstückskaffee in der Hütte sitzt, würden wir (meine Tochter und ich) von der Tour zurückkehren.

Dann kam der Sommer 2014 und mit dem Sommer kam der Regen. Touren abgebrochen, verschoben. Wetterberichte studiert. Keine Chance für die 2 Tages Tour. Dann der 06. August, ein kurzer Lichtblick. Entschließe mich für eine Erkundungstour auf dem Mangart ohne der ich die Nachttour nicht durchgeführt hätte und dann heißt es auf die nächste Woche warten. Umso Näher die Umsetzung rückt, umso schlechter wird das Wetter. Die Tränen des Laurentius versinken in tausenden Tränen aus dem Himmel. Wieder eine Absage, die Nachttour beginnt in weite Ferne zu rücken, bis sich am Wochenende die Prognosen bessern. Kurz entschlossen entscheiden wir uns am Sonntag den 17. August unseren Plan umzusetzen.

Der Wecker klingelt um 1:00 Uhr in der Früh und dann nochmals um 1:15. Aufstehen, Tee überstellen zum Mitnehmen, einen Kaffee, ein Brot zum Frühstück. Aufbruch etwas nach 2 Uhr.

Ankunft auf dem Parkplatz ober der Mangarthütte um 03:00 Uhr.

Wind und Kälte. Wir steigen aus dem Auto in die Stille einer Landschaft in die Dunkelheit der Nacht getaucht. Ober uns breitet sich ein Sternenhimmel aus, spannt sein Zelt über unsere Köpfe bis der Horizont sich in der Dunkelheit auflöst. Stirnlampen funktionieren. Die Sandalen werden mit Bergschuhen getauscht. Rucksack, Fotoapparat, Stativ. Handy auf GPS empfang gestellt. Alles bereit.
Ein paar Schritte und wir haben freie Sicht ins Tal… In der Ferne schimmern die Lichter von Villach, lassen den Dunst über der Stadt in der Nacht glühen, wie ein Goldschleier der sich über die Häuser, die leeren Straßen und Plätze gelegt hat.

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Eine halbe Stunde ist für Fotos eingeplant. Die Kälte schleicht sich langsam durch die Jacken unter die Haut. Zweimal wechseln wir noch die Position, bevor ich Kamera und Stative abbaue. 03:45 Aufbruch Richtung Klettersteig. Über dem Gipfel von Mangart, hinter dem langsam der Mond hervorkriecht, liegt noch eine Wolkenschicht, die sich bis zum Klettersteig auflöst.

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Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt. Khalil Gibran (1883 – 1931)

Und nirgendwo ist man ihnen näher als in den Bergen.

So einsam hab ich den Mangart noch nie erlebt. Mit jedem Schritt in die Dunkelheit hinein steigt die Anspannung in mir. Die Müdigkeit ist längst verschwunden, es ist eine seltsame Art des hellwach seins, das von mir Besitz ergriffen hat. Es ist alles so klar, jedes Gefühl, dieser Moment hier, die Landschaft, der Sternenhimmel. Wie fühlt sich Leben an, wie intensive kann Stille sein.

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Um 04 Uhr erreichen wir den Einstieg. Im Klettersteig lässt der Wind nach und recht bald kommt die Wärme zurück. Klick, der Karabiner des Cruisers rastet ein. Der metallische Klang hallt verstärkt durch die dunklen Felswände des Steiges. Langsam beginnen wir uns vorwärts zu tasten. Sicherheit zu gewinnen, uns an die Tiefe, die sich in einer unendlichen Schwärze unter unseren Füßen verliert, zu gewöhnen. Undefinierbare Abgründe verlieren sich in der Finsternis.

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Mit jedem Schritt, mit jeden Meter höher gewinnen wir Sicherheit, beginnt die Euphorie zu steigen. Verlieren wir uns in einem seltsamen Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, zwischen Traum und Realität.

Irgendwann beginnt sich der Morgen abzuzeichnen. Ein heller Lichtstreifen im Süden, der rasch breiter wird, als versprechen auf den kommenden Tag.jpg 14-08-17 032 Mangart

Um 5:40 erreichen wir dann den Gipfel!

Der kalte Wind hat uns wieder und auf den Ketten, die das Gipfelkreuz halten, glitzern Eiskristalle. Vor uns sehen wir jetzt den Streifen des nahenden Morgens in voller länger.

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Meine Tochter jubelt vor Begeisterung, ich stehe da und bin einfach nur überwältigt. Überwältigt von der Schönheit, von der Einsamkeit dieses Augenblickes, ausgefüllt mit einem unglaublichen Glücksgefühl!!

Ich baue mein Stative auf und beginne zu fotografieren, während meine Tochter ihre Hände an einen Becher mit heißen Tee aufwärmt. Etwas über 25 Minuten, bis die Sonne über den Horizont klettern sollte. Wir ziehen alles an, was wir mithaben und sich irgendwie als Gewand definieren lässt. Während ich die ersten Fotos mache versucht sich meine Tochter mit langsamen joggen um das Gipfelkreuz warm zu halten …

Dann schiebt sich die rote Scheibe der Sonne über den Horizont, treffen uns die ersten sehnsüchtig erwarteten Strahlen, tauchen die Umgebung in ein warmes Licht, lassen die Eiskristalle am Gipfelkreuz funkeln und den Himmel brennen.

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Wir haben es geschafft. Was für eine Tour, was für ein Sonnenaufgang, was für ein Morgen…

Noch ein paar Fotos, dann ziehen wir uns auf einen, vor dem eisigen Wind geschützten Platz, etwas unterhalb des Gipfels, zurück. Frühstück auf 2.679 m Seehöhe. Wir genießen diesen Moment, kosten den Augenblick vollends aus, bevor wir uns dann gegen halb Sieben zusammenpacken und Richtung Auto aufbrechen.

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Das frische Morgenlicht zeichnet ein ganz neues Bild, in die vertraute Gegend. Lässt einen die Farben und Kontraste der Landschaft viel intensiver wahrnehmen.

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Noch immer von dem Gipfelerlebnis beflügelt, lachen und scherzen wir uns ins Tal, genossen den An- und Ausblick dieses gerade angebrochenen Tages, den Blick in die noch im Schatten liegenden Täler. Es war eine seltsame Leichtigkeit, die uns umgab, von uns Besitz ergriff.

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Erst recht spät trafen wir die ersten Wanderer, die sich auf den Weg zum Gipfel machten. Wir grüßten mit einen freundlichen Guten Morgen und genossen die erstaunten Gesichter.

Etwas nach 9 Uhr saßen wir bei einer Tasse Kaffee zu Hause und konnten irgendwie noch immer nicht aufhören zu lächeln….

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