Reden wir einmal offen und ehrlich über die Flüchtlingskrise….

Mob, Chaoten, Invasoren, Marschbefehl, Grenzen schützen…

Wenn man all diese Worte liest, kommt es einen vor, als würden wir mitten im Krieg sein. Als würde eine Arme vor unseren Grenzen stehen, die plündernd, brandschatzend durch unsere Ortschaften ziehen will. Wenn man dann wirklich einmal an die Grenze kommt, dann sieht man verzweifelte Menschen, müde, erschöpft und ausgelaugt, die in der Kälte ausharren um noch einen Platz im nächsten Bus zu erhalten. Kinder, die am Asphaltboden übernachten, Lagerfeuer aus Decken und Kleidern, um von irgendwoher noch etwas Wärme zu erhalten.

Ich möchte hier nichts schön reden, möchte nichts verharmlosen, kein rosarotes Bild malen, weil es hier keines gibt. Und ja, es gibt sie auch, die nicht warten wollen, die sich nicht registrieren lassen wollen, die auf eigene Faust weiter ziehen. Und ja es gibt sie auch, die Hungerstreikenden, die ein schnelles Asylverfahren verlangen.

Da gab es doch diese Aufregung, über die, die angeblich 2.000,– Euro fordern. Die Bilder sind durch die Presse gegangen, aber hat irgendwer die handgeschriebenen Zettel je gelesen? Auf den in der Mitte steht: „Unsere Kinder sterben, wir können nicht mehr warten.“ Auf den anderen steht: „Ich bin im Hungerstreik bis ich hatte Interview.“ Nirgends steht 2.000,– Euro….

Und ja es gibt sicher auch den einen oder anderen Kriminellen, den einen oder anderen, der sich nicht an die Regel und Gesetze hält und ja, hier sollten wir handeln. Niemand will einen Kriminellen unterstützen. Wir haben uns längst spalten lassen und die Sicht auf die Fakten und die Realität verloren. Wir übertreiben und überzeichnen, wir schreiben uns gegenseitig in Rasche. Wir teilen und echauffieren uns. Genauso wie wir Probleme klein reden, Konflikte nicht sehen wollen. Wir verharmlosen und untertreiben.

Ja diese Krise wird uns alle belasten und ja, die Kosten dafür werden höchst wahrscheinlich den Kleinen aufgehalst werden, wie das ja schon seit je her Tradition ist, gleich ob Bankenrettung, Hypo oder Griechenland…. und ja die Situation macht Angst.

Wir sind sie seit Jahrzehnten gewöhnt, die Bilder von Hungernden, von Vertriebenen, von Verfolgten, die Bilder von Naturkatastrophen und von Kriegen. Wir sind es gewohnt Beträge zu spenden, kurz betroffen zu sein und dann weiter zu zappen. Und es macht uns Angst, weil wir es hier nicht können. Wir können nicht einfach weiter klicken. Wir müssen uns entscheiden. Helfen wir, oder lassen wir es bleiben. Ziehen wir Mauern hoch und schauen weg. Nur was würde das wirklich heißen?

Ziehen wir einmal in Gedanken einen Zaun, lassen wir einmal niemanden mehr herein. Die Menschen sind ja nicht weg… In Lampedusa, Lespos, Koss usw. würden weiter Tausende ankommen, die weiter Richtung Europa drängen um dann im Balkan zu stranden. Wir können darüber diskutieren, wer das alles verursacht hat, ob es die Amerikaner sind, ob das alles eine große globale Verschwörung gegen Europa ist, ob es unsere Rüstungsindustrie ist (und ja auch Österreich hat eine Rüstungsindustrie), ob es die Kürzungen und nicht eingehaltenen Zusagen der westlichen Staaten (und ja auch Österreich hat sein Beiträge gekürzt) für die UNHCR sind. Das diskutiert aber nicht die Menschen weg, dass ändert an den Problemen nichts.

Wir ziehen also diesen Zaun, und lassen niemanden mehr herein und jetzt stellen wir uns in Gedanken einmal auf die andere Seite dieses Zaunes. Stellen wir uns vor, unser Haus ist unbewohnbar, weil zerstört. Stellen wir uns vor, wir haben so gut wie alles, was wir einmal besessen hatten dafür verwendet um hier an diesen Zaun zu kommen. Wir sind Monate unterwegs gewesen, haben Entbehrungen auf uns genommen, haben gelitten und gefroren um jetzt an diesen Zaun zu stranden! Der Winter mit der Kälte steht vor der Türe, was machen wir? Was würdet ihr machen? Würdet ihr einfach sitzen bleiben und warten? Würdet ihr umkehren? Habt ihr überhaupt noch die Kraft umzukehren und die finanziellen Möglichkeiten? Was würde dies für all diese Menschen bedeuten? Was würde dies für die Region, in der sie stranden bedeuten?

Wir haben zwar jetzt einen Zaun, aber haben wir auch eine Perspektive?

Wir haben zwar jetzt einen Zaun, sind wir dann aber auch bereit zu schießen um ihn zu verteidigen?

Europa, Österreich, ja vielleicht auch jeder einzelne von uns steht vor der Frage: Was wollen wir, was können wir verantworten, mit uns selbst. Vielleicht sind es noch Hunderttausend die kommen, vielleicht sind es aber auch 4 Millionen. 4 Millionen würde für die EU 0,8 % der Bevölkerung sein. Und selbst wenn Europa wie so oft, an sich selbst scheitert und Deutschland, Schweden, Frankreich und Österreich (sind die Länder die bis jetzt schon ein Großteil der Last tragen) dies alleine heben müssen, dann sind es 2,4 Prozent der Bevölkerung.

Würden wir dadurch unsere Identität verlieren? Geht dadurch unsere Religion und unsere Kultur verloren? Oder liegt das eher daran, dass wir unsere Kultur nicht mehr leben? Die größte wachsende Gruppe sind nicht die Islamisten, die schnellst wachsende Religion in Europa ist die ohne Bekenntnis… Wenn wir wollen, dass unsere Kultur gelebt wird, müssen wir in erster Linie selbst unsere Kultur leben. Oder wie viele sind es, die vor den Kirchtag tatsächlich in die Kirche gehen? Wie viele engagieren sich bei Vereinen, helfen bei Feiern und Festen in ihren Ortschaften mit?

Gefährden 2,4 Prozent der Bevölkerung diese Traditionen, unsere Kultur, unsere soziale Sicherheit, unseren Frieden, unsere Religion?

Jeder soll sich selbst fragen: Ist das Machbar, wenn wir alle zusammen helfen, wenn jeder in seinen Rahmen einen Beitrag leistet, oder sind das unauflösbare Aufgaben?

Was wäre die Alternative? Und wollen wir diese Alternative wirklich?

Und jeder soll sich auch fragen, wenn sich einer davon nicht benimmt, was machen wir mit ihm? Ertragen wir es einfach oder ziehen wir für diesen einen die Konsequenzen? Rechtfertigen wir alles mit der Verzweiflung und wo ziehen wir die Grenzen!

Und auch hier, was wäre die Alternative, wenn wir die Grenzen nicht ziehen? Und wollen wir diese Alternative wirklich?

Vor unsere Haustüre steht kein Einbrecher, steht auch kein Vergewaltiger und schon gar kein Mörder. Vor unserer Haustüre steht in erster Linie ein Mensch, der nicht weiß, wo er die Nacht verbringen wird, der sein ganzes Leben, seine ganze Vergangenheit in einem Plastiksack und einen Handy mit sich trägt. Wir müssen uns fragen, lassen wir ihn herein, teilen wir mit ihn für eine unbestimmte Zeit das Haus, oder machen wir die Türe zu und schauen durch das Fenster, wie es zu regnen beginnt, wie es zu schneien beginnt und hoffen, dass er vielleicht weiter zieht und sind wir bereit die Folgen für diese Entscheidung zu tragen ….

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