Mein letzter Termin bei Karl ….

Es war ein blutroter Himmel über Wien, als ich aus der Feuerhalle trat…

Seltsam bewegt, berührt, ergriffen.

Hunderte Menschen, schwarze Gewänder, schmale Lippen, viele Gesichter – bedrückt, nachdenklich, manche den Tränen nahe.

Ich kann nicht sagen, dass ich ihn wirklich gekannt habe, noch habe ich die Menschen, die so viel mehr verloren haben, gekannt. Bis vor kurzem habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, habe nicht gewusst, wie viele Kinder er hatte, wusste nur, dass er in seiner Karenzzeit zu Fuß Wien abgegangen ist. Eine Geschichte am Rande einer Autofahrt, in der er mit Genugtuung das Navi auszutricksen versuchte, in dem er permanent die Anweisungen ignorierte um schließlich doch vor der angegebene Zeit am Ziel zu sein.

Erinnerungen, Momentaufnahmen…

Ich habe dein Leben nur gestreift, du hast meines grundlegend verändert…

Ich war nur ein Augenblick, eine Fußnote, du warst in meinem Leben eine Überschrift, ein entscheidendes Kapitel.

„Im Augenblick haben wir alle Zeit der Welt“

So lange bin ich dir für einen Termin nachgelaufen, habe versucht, ein Gespräch mit dir zu bekommen. Der letzte Termin mit dir kam dann viel zu schnell… der letzte Termin ist hier an deinem Sarg… mein Blick beginnt zu verschwimmen… mache ein Kreuz, drehe mich um und gehe nach hinten. Viele Menschen die ich kenne, mir ist nicht nach Händeschütteln, mir ist nicht nach kurzem Small Talk, was gibt es an so einem Tag auch zu sagen? Was bleibt über, welchen Trost kann man einem geben?

Ich bin hier, das war mir wichtig. Ich bin froh hier gewesen zu sein.

So viele Menschen, so viele Fassetten eines Menschen, so viele Blickwinkeln einer Geschichte. Kann man einen Menschen am Ende des Tages überhaupt wirklich kennen? Kennt man nicht immer nur eine Momentaufnahme, einen Augenblick eines Lebens?

Später auf der Heimfahrt…

Springsteen spielt mit der Seeger Session in Dublin….

Everything dies baby that’s a fact
But maybe everything that dies someday comes back

Nebelschwaden huschen über die Straße, das Licht der Scheinwerfer verliert sich in der Dunkelheit der Nacht.

Zwei Zitate sind es die hängen bleiben, die in meinen Gedanken immer wieder auftauchen, um die meine Gedanken immer wieder kreisen, damit sie dann wieder in der Dunkelheit abtauchen, um dann wieder wie aus dem Nichts präsent zu sein:

„Im Augenblick haben wir alle Zeit der Welt“

Es gibt nichts, was wir versäumen, es gibt nichts, was wir verpassen, wohin wir zu spät kommen, was wir nicht schaffen können, was uns überfordert. Es gibt immer nur diesen einen Augenblick, und uns, ob wir diesen Augenblick ausfüllen und nutzen oder eben nicht.

„Im Augenblick haben wir alle Zeit der Welt“

Und dann das Zitat von Ernest Hemingway:

„Nur wenige Menschen sind wirklich lebendig
und die, die es sind, sterben nie.
Es zählt nicht, dass sie nicht mehr da sind.
Niemand den man wirklich liebt, ist jemals tot.“

Was mir bleibt, ist, schließlich einfach nur noch einmal danke zu sagen.

Danke Karl, dass ich Dich kennenlernen durfte,

Danke Karl, für alles, was Du für die Beschäftigten bei KIK getan hast,

Danke Karl, für alles, was Du für mich getan hast …

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