Warum ich VdB wähle

Warum wähle ich am 04.12. Van der Bellen

Nicht weil er so links stehen würde – steht er nämlich nicht. Nicht weil er für Veränderung steht – steht er nämlich nicht. Aber Veränderung brauchen wir. Ein neues Bild unserer Welt, unserer eigenen Zerstörungswut und unseren Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten.

Wir verbauen TÄGLICH ca. 22 ha Land – oder 31 Fußballfelder, der earth overshoot day ist jedes Jahr früher, heuer war er bereits am 08.08., 1987 war es noch der 19.12. Wir werfen alleine in Österreich jährlich 1 Million Tonnen an Lebensmittel weg, mit 300.000 t ist der private Haushalt der größte Lebensmittelvernichter. Wir produzieren pro Stunde mehr als je zuvor, unsere Produktivität war noch nie so hoch, und trotzdem geht die Schere zwischen Arm und Reich unaufhörlich auseinander. Die Klimaveränderung macht immer mehr Länder zu schaffen, entzieht Millionen von Menschen die Existenzgrundlage und wird sie zwingen, in den nächsten 10 bis 40 Jahren sich neue Lebensräume zu suchen. Dagegen ist die jetzige Flüchtlingsproblematik vermutlich nur ein lauwarmes Lüftchen.

All diese Probleme gehören angegangen, vieles erfordert ein Überdenken unseres Wirtschaftssystems, wie wir es kennen. Unser System gehört grundlegend überdacht und geändert und zwar radikal und nicht nur an ein paar Rädern gedreht.

Und warum ich jetzt Van der Bellen wähle, wenn ich oben zugebe, dass er eben nicht für diese Veränderung steht.

Ganz einfach – weil vieles, was hier als einfache Lösung daherkommt rein gar nichts löst, im Gegenteil, den Prozess des Auseinanderdriftens geradezu verschärft. Das Leugnen von Problemen – siehe Klimawandel, schafft das Problem nicht ab. Das Setzen auf die fossilen Brennstoffe hilft vielleicht kurzfristig denen, die in dieser Industrie beschäftigt sind, löst aber rein gar nichts.

Wir müssen Entwicklungen positiv vorantreiben. Mit dem Vorschlaghammer ziellos durch ein baufälliges Haus zu laufen und tragende Wände einzureißen, wird auch nicht dabei helfen, es zu renovieren, es besteht höchstens die Gefahr, dass uns die Decke auf den Kopf fällt.

Wir können uns vielleicht für eine gewisse Zeit auf eine Insel der Seligen zurückziehen und unseren Kopf in den Sand stecken und so tun, als wäre eh alles super. Eine Mauer um Europa, keine grundlegenden Änderungen in unserem Konsumverhalten, wird die Konflikte in dieser Welt nicht ändern und schon gar nicht lösen. Wir können die Armut aussperren, die Mauern so hoch bauen, damit wir das Elend dahinter nicht mehr sehen müssen, wir können unsere Grenzen mit Waffen verteidigen, damit das Elend nicht mehr zu uns schwappt, wir können uns einreden, dass dies eh ok wäre. Wir zuerst, sollen die anderen eigene Lösungen suchen – all das wird den Hass auf den Westen und seiner Ideologie des Marktes nicht mindern. Es wird die Radikalen nicht schwächen, es wird den Terror nicht bekämpfen. Es wird ihn weiter anheizen. Treibt Millionen, die eigentlich nichts anderes als friedlich leben wollen, direkt in die Arme der Hetzer. So leben die Hetzer auf beiden Seiten perfekt voneinander.

Wenn wir uns von außen betrachten, wenn wir unsere Blickrichtung ändern. Wenn wir unsere bunte Konsumwelt, die per Mausklick in die tiefsten Slums, in die trost- und hoffnungslosesten Gegenden der Welt exportiert wird, von dort aus betrachten. Unser verlogenes Hochhalten von christlichen und demokratischen Werten, während wir gleichzeitig zu Gunsten der Wirtschaft in anderen Ländern darauf verzichten, und uns ihre Rohstoffe, ihren Boden, ihre Lebensgrundlage unter den Nagel reißen, wundert es uns dann, wenn die Wut und der Hass weltweit auf unsere Art zum Leben steigt?

Menschen pauschal in Schubladen zu stecken, abfällig über Wirtschaftsflüchtlinge zu reden (selber aber genau das Problem der Abwanderung aus strukturschwachen Gegenden nicht in den Griff zu bekommen – nur da geht es noch lange nicht um leben oder vegetieren. Bei uns geht es nur um Leben oder besser Leben), Menschen mit Hass zu begegnen, sich gar nicht mit ihnen auseinandersetzen zu wollen, nicht bereit zu sein, mit ihnen in einen Dialog zu treten. Dass alles fördert keine Lösungen, dass alles ermöglicht keinen Frieden. Hass befeuert nur wieder Hass. Ich weiß schon – das Problem mit Parallelgesellschaften und das alles nicht Friede, Freude, Eierkuchen ist. Aber, wenn wir denen, die sich integrieren wollen, die ein Miteinander anstreben, die sich einbringen wollen, die Türe vor der Nase zuhauen, sie in einen Topf mit Verbrechern oder Vergewaltiger stecken und so tun, als würde Fritzl und Priklopil aus einer anderen Welt stammen, wenn wir das Gespräch mit ihnen verweigern, wenn wir gar nicht mehr zu hören wollen. Was glaubt ihr wird mit diesen Menschen passieren.

Wir zwängen Menschen wie Vieh in Unterkünfte ohne ausreichender Hygiene, ohne ausreichend Nahrung, ohne dass sie diese Unterkünfte verlassen dürfen, ohne ihnen irgendeine Perspektive zu geben und dass über Monate und wundern uns über Gewalt, die entsteht? So etwas ist absehbar, ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Sowie 2014 vorhersehbar war – nicht wegen Merkl und ihren „Wir schaffen das“ Sager, der am Höhepunkt (31.August 2015) passierte – sondern wegen den Kürzungen der Lebensmittelrationen in den Flüchtlingslagern Vorort – die übrigens bis heute auf die zugesagten Gelder aus dem Westen warten – dass sich diese Menschen irgendwann 2015 in Bewegung setzen werden.

Und zu unserer Identität, zu unserer Tradition – wir haben die doch schon längst an das System Wirtschaftswachstum verloren. Wir laufen doch in die Einkaufstempel, die die Kirchen ersetzt haben. Wir schmeißen doch jährlich 300.000 t Müll weg, mehr als der Handel, mehr als die Gastronomie. Wir verbrauchen doch mehr Ressourcen, als die Welt in einem Jahr wiederherstellen kann. Wir kaufen doch den ganzen Ramsch, von Tedi, Action, Kik, Primark und co. Oder nicht? Was verteidigen wir, wenn wir vom christlichen Abendland reden? Wohl kaum unsere Nächstenliebe, unsere Mitmenschlichkeit und unseren Glauben – wir verteidigen allein unseren Lebensstandard. Nur fragen wir nie, auf wessen Kosten wir ihn erkauft haben…

8 Jahre nachdem das System des liberalen Kapitalismus gescheitert ist, steht die Welt an der Kippe. Es gibt zwei Möglichkeiten – wir diskutieren ernsthaft über unser System, oder wir zerstören unsere eigene Welt, mit all der Brutalität und all der Konsequenz die so ein Krieg um die letzten Ressourcen unseres Planten mit sich bringen würde. Dann können wir, wie in der Geschichte schon oft vorgezeigt, ohne jegliche Veränderung unser System des Wachstums unverändert fortsetzen.

VdB steht vielleicht nicht für die notwendige Veränderung – aber ich weiß ganz klar für was die F steht und was für Folgen und Auswirkungen diese Politik hatte und hätte.

Und für die Veränderung – beginnen wir einmal einfach bei uns. Wollen wir unsere Tradition, unseren Glauben, dann gehen wir doch wieder in die Kirchen und lernen wieder zu beten. Wollen wir Gleichberechtigung, dann behandeln wir auch Frauen gleich und teilen uns die Arbeit im Haushalt. Wollen wir unsere Wirtschaft stärken, schauen wir, was wir vor Ort kaufen können. Gehen wir wieder in die Städte und in die kleinen Geschäfte und lassen die Einkaufszentren und den online Handel links liegen. Wollen wir das System der Verschwendung verändern – kaufen wir wieder Mehrwegflaschen aus Glas, statt Plastik und Tetra Pak, vermeiden wir Müll, kaufen wir das, was wir benötigen und schmeißen weniger Essen weg. Gehen wir kleiner Strecken öfters zu Fuß, nutzen wir öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad. Wir selbst können viel tun. Warten wir nicht auf die Politik, auf die Konzerne, schieben wir die Schuld nicht die ganze Zeit von uns weg – sondern nehmen selbst die Verantwortung, die wir haben, wahr und leben wir die Gesellschaft, in der wir auch leben wollen, dann werden wir sie nämlich auch nicht verlieren….

 

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