One Reason …. oder die Sehnsucht einer verlorenen Leidenschaft

Sitze da, ein Glas Wein, gedämpftes Licht, in meinen Kopfhörern klingt gerade Tracy Chapman „give me one reason.“

Denke über vieles nach, lasse meine Gedanken ziehen, während draußen eisige Kälte um das Haus schleicht. Kerzenlicht… Flackernde Schattenwände.

Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht an mir, vielleicht am Wein oder an der Musik. An all die verpassten Abzweigungen, die man so in einem Leben hinter sich lässt, all die falschen Entscheidungen die man trifft und die paar Richtigen. 44 und ein neues Jahr eigenen sich perfekt für was wäre wenn Gedankenspiele, vor allem, wenn man die Zukunft nicht mehr so klar vor einen sieht, wie man dies vielleicht schon einmal getan hat. Wenn man sich irgendwie fühlt, als würde man zwischen den Stühlen zum Sitzen gekommen sein, als wäre man irgendwann abgebogen und würde jetzt im Niemandsland stehen.

Ich habe immer gern geschrieben, Texte moduliert, Gedanken eine Form gegeben, in Worte gegossen, Stimmungen eingefangen… und weiß bis heute nicht warum ich diesen Weg irgendwann verlassen habe, die Kreativität, die Vision, die Sehnsucht und die Hoffnung eingetauscht habe. 2017 also, jetzt hier, gestrandet in einem Moment wo es immer zwei Wege gibt. Einen klaren, einen sicheren, einen vorgezeichneten mit all den vorbestimmten Stationen, die man gehen kann und dann diesen einen, der sich im Nebel verliert, wo man eben nicht weiß, welche Aussichten einen erwarten, welche Abgründe sich auftun und ob man am Ende dann wirklich auf einem Gipfel steht und was für ein Gipfel soll es sein?

Mit 16 ist das Leben noch wesentlich einfacher, ist man sich sicher, dass man zu Großen bestimmt ist, man weiß, was man Kann und dass man definitive der Beste in dem ist was man tun möchte und nichts aber auch wirklich nichts einem im Leben von seinen Träumen abbringen und aus der Bahn werfen kann. Jetzt, 38 Jahre später, nach einem kurvenreichen Leben, das einem mehr als einmal aus den Sattel geworfen hat, steht man wieder da.

Man beginnt wieder etwas zu erschaffen, setzt sich hin und schreibt – Geschichten die eine Form bekommen und man lehnt sich zurück und liest und merkt, dass man bei weiten nicht so gut ist, wie man dies noch in Erinnerung gehabt hat. Man ist mit dem was man liest, wie es formuliert ist, welche Worte man findet nicht mehr zufrieden.

Mit 16 sind die Hände mit den Gedanken nicht mehr mitgekommen, haben sie sich verselbständigt. Jetzt holpert es, stockt der Motor immer wieder und kommt nicht so recht in Fahrt, lesen sich die Texte oft eher wie alte, vernachlässigte, ausgewaschene Schotterstraßen in Süditalien. Fallen Wörter immer wieder durch Schlaglöcher aus meinem Hirn und verlieren sich im Nirgendwo der eigenen Erinnerungen. Überhaupt fällt es mir wesentlich schwerer einen Text zu schreiben, als damals, als ich allen ernstes der festen Überzeugung war, ich könnte nichts, wirklich nichts anderes im Leben werden als Schriftsteller…

Rechtschreibung – wurscht, Grammatik – etwas für Anfänger, Grundlagen und Handwerk der Schreibkunst – Vernachlässigungswürdig… Jetzt sehe ich das alles anders und irgendwie kommt es mir vor als würde mir ein ganzer Lebensabschnitt fehlen und die Ernsthaftigkeit, mit denen man einen Traum verfolgt und ist es überhaupt noch mein Traum? Was will ich wirklich? Was ist das, was übrig bleibt, wenn ich all dies weglassen würde, was einen unter dem täglichen Alltag begräbt? Was sind die Sehnsüchte, die irgendwo in einem Schlummern, was ist die Antwort auf die Frage, was für einen Weg möchte man im Leben einschlagen, welche Träume aufgreifen, welche Hoffnungen mit neuem Leben erfüllen? Ihnen das Feuer, die Leidenschaft einhauchen…

Wenn ich irgendwo alleine auf einen Gipfel stehe und sich unter mir das Leben mit den tausenden Geschichten ausbreitet, die irgendwo wie ein leises Rauschen an der Ewigkeit der Felswände stranden, fühle ich mich frei, frei von allen Zwängen, Verpflichtungen, fühle ich mich lebendig, versinke ich in der Stille und lösen sich die Gedanken, Zweifel, Sorgen auf erlischt Vergangenheit und Zukunft zu einem Jetzt. Denn jetzt ist man am Weg, jetzt steht man da und unter einem ein Abgrund, ein hundert Meter tiefes Nichts. Wenn man JETZT nicht lebt, sich auf das konzentriert, sich auf das fokussiert, was wesentlich ist, ist man nicht mehr. Mehr Gegenwart, geht nicht mehr.

Dann, wenn man wieder unten ist, die Stille hinter sich gelassen hat und in dem Nebel des Lebens eintaucht, kommt auch die Frage wieder zurück. Was macht dich hier frei? Worin ist man so gut, dass man einfach besser ist, oder worin steckt man einfach so viel Leidenschaft, dass man es einfach richtig macht, was ist das Projekt in deinem Leben, für das du alles, wirklich alles gibst? Die Antwort darauf ist bei weitem nicht mehr so einfach wie mit 16, oder vielleicht ist sie es auch, nur man hat wesentlich mehr Angst vor den Konsequenzen eines Fehltrittes….

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